Das Motivationsschreiben – Richtig bewerben

TEIL 1

Das Motivationsschreiben

Bewerben heißt sich präsentieren. Und das möglichst individuell und kreativ. Es sind meist die Fakten, die zählen – deshalb greifen Personalentscheider erst einmal zum Lebenslauf, wenn sie erfahren möchten, ob ein Bewerber für eine ausgeschriebene Stelle passen könnte oder nicht. Die Bedeutung des Motivationsschreibens ist subtiler. Seine Funktion ist es, den Fakten des Lebenslaufs einen persönlichen Rahmen zu geben. Im Idealfall unterstreicht es die Bewerbungsunterlagen wie ein dezentes Make-up oder die passende Krawatte zum Anzug.

Formale Eigenschaften

Das Motivationsschreiben sollte maximal eine Seite lang und übersichtlich sein. Datum, Empfänger- und Absenderadresse dürfen nicht fehlen.

Aufbau

Einstieg: Steigen Sie in den Text über ein höfliches und am besten direkt an den Ansprechpartner gerichtetes „Sehr geehrte(r)“ ein und schreiben Sie dann einen ersten Satz, der spannend und interessant genug ist, um zum Weiterlesen anzuregen.

Mittelteil: Im weiteren Verlauf des Motivationsschreibens wiederholen Sie nicht einfach den Lebenslauf, sondern greifen jene Punkte heraus, die einen Bezug zur angestrebten Tätigkeit und den Anforderungen herstellen. Schreiben Sie dabei interessant und überraschend. Kommen Sie sofort auf inhaltlich wesentliche Punkte zu sprechen. Vermitteln Sie dem Personaler, was Sie bieten können und warum er jemanden wie Sie auf keinen Fall uneingeladen vorbeziehen lassen darf.

Abschluss: Weisen Sie auf den nächsten Schritt im Bewerbungsprozess hin. Beispiel: „Über eine Einladung zu einem persönlichen Gespräch freue ich mich.“ Die richtige Grußformel lautet: „Mit freundlichen Grüßen“.

Das Motivationsschreiben sollte folgende Fragen beantworten:

  • Warum bewerben Sie sich bei diesem Unternehmen?
  • Warum bewerben Sie sich um die ausgeschriebene Stelle?
  • Was qualifiziert Sie für diese Stelle?
  • Was hat das Unternehmen davon, gerade Sie einzustellen?
  • Was sind weitere Informationen, die für das Unternehmen wichtig sind (eventuell Gehalt, Ende des Studiums, frühester Einstiegstermin?)

Beim Motivationsschreiben ist es besonders wichtig auf die Formulierungen zu achten. Hier erfahren Sie, wie Sie Fehler vermeiden und den richtigen Ton treffen:

Sprechen Sie den Adressaten persönlich an. Gehen Sie auf das Unternehmen und auf die Anforderungen ein.  Folgende Fragestellungen und Methoden können dazu beitragen, Ihr Ziel zu erreichen:

In den Arbeitgeber versetzen
Was interessiert ihn? Was bewegt ihn dazu, Ihre Bewerbung genau anzusehen? Argumentieren Sie aus seiner Sicht!

Beispielsatz: Sehr geehrte Damen und Herren, ….

Besser: Sehr geehrte Frau Müller, ….(sollte ein direkter Ansprechpartner bekannt sein, immer diesen Namen nennen. Ansonsten überlegen Sie, ob Sie beim Unternehmen anrufen, um nach dem richtigen Anprechpartner zu fragen. Gleichzeitig können Sie weitere Fragen zu der Ausschreibung stellen und sich im Motivationsschreiben auf das Gespräch beziehen.)

Beispielsatz: Nachdem ich beim Durchlesen der Stellenanzeigen auf Ihr Inserat gestoßen bin und ich der Meinung bin, der ideale Kandidat für die von Ihnen ausgeschriebene Stelle zu sein, habe ich mich entschlossen, eine Bewerbung abzuschicken.

Besser: In Ihrer Anzeige vom … beschreiben Sie eine berufliche Aufgabe, die mich besonders interessiert.

Beispielsatz: Ich kann mir sehr gut vorstellen, schon bald für Ihre Firma tätig zu sein.

Besser: Edelweiß Consulting hat sich vor allem durch innovative Lösungen im Bereich Marketing einen Namen gemacht. Bei künftigen Marketingaktivitäten kann ich Sie durch mein Wissen und mein Engagement unterstützen.

Formulieren Sie ein kurzes Motivationsschreiben. Bereiten Sie dem Leser angesichts vieler Bewerbungen wenig Arbeit. Vermeiden Sie überflüssige Formulierungen, Worte und Schachtelsätze.

Beispielsatz: Aufgrund der in der Ausbildung gemachten Erfahrungen sehe ich gute Anknüpfungspunkte, meine Kenntnisse in einem der beiden im Inserat genannten Bereiche in Ihrem Unternehmen einzusetzen.

Besser: Die angesprochenen Bereiche interessieren mich aufgrund meiner Kenntnisse.

Beispielsatz: Aufgrund meiner Ausbildung und meines bisherigen beruflichen Werdeganges bin ich der Meinung, dass ich den im oben genannten Inserat erwähnten Anforderungen gerecht werden kann.

Besser: Meine Ausbildung und meine Erfahrung entsprechen Ihrem Anforderungsprofil.

Klare Fakten: Mehr als drei Aussagen pro Satz provozieren einen abrupten Leseabbruch. Idealerweise beinhaltet ein Satz eine Aussage. Wie formulieren Sie leicht lesbare Sätze? Im Journalismus gibt es eine Regel: Kein Satz sollte länger als acht bis 15 Wörter sein.

Beispielsatz: Ich bin leistungsstark, teamfähig, kommunikativ und flexibel.

Besser: Nennen Sie Beispiele, wo Sie welche Qualifikationen erworben haben. Dies können Tätigkeiten im Praktikum, oder außeruniversitäres Engagement sein.

Beispielsatz: Dank der Vielseitigkeit meines Studiums konnte ich bereits zahlreiche praktische Erfahrungen sammeln.

Besser: Konkrete Beispiele aus dem Studium nennen: In welchen Fächern wurde was gelernt und angewendet?

Beispielsatz: Berufserfahrung konnte ich in mehreren Praktika sammeln, unter anderem bei der Software AG, der Power Company, Firma X, Firma Y, …

Besser: Bitte keine Aufzählung aus Ihrem Lebenslauf. Konzentrieren Sie sich auf markante Punkte in Ihrem Lebenslauf: Betonen Sie nur die Tätigkeiten, die für die künftige Stelle relevant sind und belegen Sie diese mit Beispielen.

Formulieren Sie Ihre Sätze so, dass Sie mit ihnen eine gesunde Selbstsicherheit vermitteln.

Beispiele:

  • Ich glaube…

Besser: Meine Stärken sind…

  • Ich würde gerne…

Besser: Ich stelle mir vor, dass…

  • Wäre es eventuell möglich…

Besser: Ist es möglich, …

Dieses Eingeständnis sollte man lieber weglassen:

  • Leider fehlen mir die Kenntnisse in der von Ihnen verwendeten Hardware.

Das klingt anmaßend:

  • Die in der Anzeige geforderten Anforderungen erfülle ich in jeder Hinsicht.

 

Beispielsatz: Zurzeit arbeite ich bei der Edelweiß Consulting GmbH.

Besser: Zurzeit bin ich bei einer der erfolgreichsten Unternehmensberatungen tätig.

Beispielsatz: Leider stellte ich bereits nach kurzer Zeit fest, dass mir die Arbeit in der Werbeabteilung keinen Spaß macht.

Besser: Um meine Erfahrungen in der Öffentlichkeitsarbeit zu vertiefen, begann ich meine berufliche Laufbahn zunächst in einer Werbeagentur.

Diese Formulierung für den Satzeinstieg sollten Sie lieber nich verwenden:

Dem geforderten Alter entspreche ich zwar nicht, aber…

 

Nicht aufdringlich aber einprägsam!

Beispielsatz: Darf ich Sie zum Schluss bitten, meine Unterlagen vertraulich zu behandeln.

Damit unterstellen Sie dem Leser, dass er dies nicht tut.

Beispielsatz: Ich würde mich sehr freuen, wenn ich Ihr Interesse geweckt habe und Sie mir Gelegenheit zu einem persönlichen Gespräch geben würden.

Besser: Ich freue mich, von Ihnen zu hören.
Oder: Über ein Vorstellungsgespräch freue ich mich.

Beispielsatz: Es wäre schön, wenn ich etwas von Ihnen hören würde.

Besser: Ich freue mich auf Ihre Antwort.

Beispielsatz: Für ein Vorstellungsgespräch stehe ich Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung (wirklich jederzeit gerne?).

Besser: Für weitere Auskünfte stehe ich Ihnen in einem persönlichen Gespräch – vorab auch gerne telefonisch – zur Verfügung.

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